Obuskonzept "Obus 75"

      Obuskonzept "Obus 75"

      Zusammen mit Austria in Motion habe ich in stundenlanger Detailarbeit das Obusnetz von Salzburg einer grundlegenden Analyse unterzogen.
      Dabei stellten wir uns mehrere Fragen:
      1. Fahren die Obuslinien so, wie es die Fahrgäste brauchen, um möglichst schnell und umsteigefrei ans Ziel zu kommen?
      2. Gibt es Veränderungen in der städtischen Entwicklung (neue Wohngebiete, neue Schulstandorte), denen mit den Öffis Rechnung getragen werden muss?
      3. Wie oft sollen die Obusse auf den einzelnen Linien pro Stunden fahren?
      4. Lassen sich die Linien um Stauzonen, die durch den PKW-Verkehr verursucht werden, herumführen?
      5. Ist es möglich, jede Linie mit einem stark und einem eher weniger stark frequentierten "Ast" zu schaffen, um Verspätungen irgendwie ausgleichen zu können?
      6. Können die Wendezeiten der Obusse an den Endstationen irgendwie verlängert werden, um auch dem Fahrpersonal bei der Bewältigung von Verspätungen zu helfen?
      7,. Lassen sich vielleicht sogar Obusse einsparen, um auch der Salzburg AG Einsparungen zu realisieren?
      8. Welche Änderungswünsche oder Kritik haben Fahrgäste, aber auch die FahrerInnen am Obusnetz?


      In einem weiteren Schritt erstellten wir einen Liniennetzplan mit uns sinnvoll erscheinenden Linienführungen.
      Anschließend erfolgte die Erarbeitung von Fahrplänen für Montag bis Freitag, Samstag, Sonn- und Feiertag. Inkl. Feldstudien vor Ort im täglichen Linienbetrieb.
      Anhand der Fahrpläne konnten dann die sog. Umläufe der Obusse erstellt werden, d.h. wie jeder einzelne Obus den ganzen Tag über im Stadtverkehr von A nach B unterwegs ist. Vom Auslaufen in der Früh bis zum Einlaufen in die Zentralgarage abends. Derzeit immerhin über 80 Obusse täglich.
      Die Umläufe sind notwendig, um den Fahrern ihre täglichen Dienste (Frühdienst, Ganztagsdienst, Nachmittags- und Spätdienst) erstellen zu können.

      Bis zur "Spruchreife" steckten wir fast 2.000 Stunden in dieses Großprojekt - finanziert ausschließlich mit unserer Freizeit und Herzblut für die Sache!

      Bereits im Sommer 2014 wurde eine Erstversion fertig, die wir gerne der Salzburger Politik vorstellen wollten. .
      Im Oktober 2014 erfolgte die Präsentation beim scheidenden Verkehrsdirektor Mackinger, der von unseren Ideen begeistert war und die Vorteile für die Fahrgäste, Fahrer und die Salzburg AG sofort erkannte. Leider schied dieser Experte aus der Salzburg AG aus.
      Es folgten zahlreiche Gespräche mit Fahrern, aber auch der Betriebsrat wurde in unsere Überlegungen mit einbezogen.
      Änderungen am neuen Obus-75-Liniennetz gab es erstmal keine, dafür laufend Anpassungen am Fahrplan, um noch besser auf die Bedürfnisse der Fahrgäste einzugehen.
      Im Frühjahr 2015 präsentierte ich das Konzept der Gewerkschaft VIDA, danach kam keine leider Rückmeldung mehr.
      Weitere Gespräche mit Verkehrsexperten Salzburgs folgten, die die Funktionsfähigkeit des Netztes und Notwendigkeit von Veränderungen bestätigten.
      Im Sommer 2015 war dann alles soweit fertig, dass bei der Salzburg AG um einen Termin zur Vorstellung angefragt wurde.
      Nach zahlreichen Versuchen, einen Termin zu finden, sollte das Gespräch über "Obus 75" am 2. Oktober 2015 erfolgen. Da das Treffen zwischen der Salzburg AG (3 Personen) und mir alleine stattfinden sollte, bat ich um die Zubilligung einer Begleitperson von Austria in Motion. Das wurde leider abgelehnt und der Termin abgesagt.

      Obus 75 ist ein bis auf die Minute genau fertig ausgearbeitetes Obuskonzept, das der Salzburg AG massive Ersparnisse realisieren würde, dem Fahrgast ein stabileres Obusnetz brächte und auch den FahrerInnen optimierte und besser bezahlte Dienste.
      Für jeden wäre etwas dabei. Vielleicht setzt sich ja doch noch jemand mit uns an einen Tisch......
      Sebastian Krackowizer

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      Im Anhang befinden sich beide Obusnetze.
      Das derzeit gültige und unser "Obus 75"-Netz, das mit 2 Obuslinien weniger auskommt.

      Die derzeitige Linie 12, die nur in der Früh und nachmittags fährt, samstags sogar nur zwischen Hauptbahnhof und Europark, wird bei uns in Linie 8 umbenannt und ganztags im 15-Min.-Takt betrieben.
      Die derzeitige Linie 8 entfällt, wie auch die Schullinie 14 mit nur 4 Fahrten täglich.


      Die neuen Linienführungen:

      Linie 1 im 10-Minuten-Takt mit 10 Kursen: Itzling West – Hauptbahnhof – Zentrum – Maxglan – Europark – Kleßheim Kavalierhaus (nach Klessheim im 20-Min.-Takt)

      Linie 2 im 10-Minuten-Takt mit 11 Kursen; Walserfeld – Outletcenter – Flughafen – Aiglhof – Hauptbahnhof – Mirabellplatz – Schallmoos – Obergnigl

      Linie 3 im 7,5-Minuten-Takt (auch samstags!) mit 10 Kursen und Verdichtung an Schultagen in der Früh zwischen Hauptbahnhof und HTL Itzling auf einen 4-Minuten-Takt (HBHF ab zwischen 06:58 und 07:35 Uhr): Salzburg Süd – Alpenstraße – Zentrum – Mirabellplatz – Hauptbahnhof – Itzling-Pflanzmann

      Linie 4 im 10-Minuten-Takt mit 10 Kursen: Lankessiedlung – Schallmoos – Zentrum – Riedenburg – Aiglhof – Neue Mitte Lehen – Bessarabierstraße – Salzachsee

      Linie 5 im 10-Minuten-Takt mit 7 Kursen: Birkensiedlung – Kommunalfriedhof – Nonntal – Zentrum – Landeskrankenhaus – Schule Lehen – Messe bzw. Bessarabierstraße (im Wechsel alle 20 Min.). Im Abendverkehr und am Sonn- und Feiertag Verkehr nur bis Schule Lehen, in Randlagen auch nur verkürzt bis Mönchsbergaufzug (statt bisher Rathaus): P+R-Linie zwischen Messe und Hanuschplatz mit 15 Min. Fahrzeit.

      Linie 6 im 10-Minuten-Takt mit 8 Kursen: Parsch – Volksgarten – Zentrum – Hauptbahnhof – Schule Lehen – Messezentrum

      Linie 7 im 10-Minuten-Takt mit 10 Kursen: Salzburg Süd – Aigen – Volksgarten – Zentrum – Landeskrankenhaus – Strubergasse - Liefering – Forellenwegsiedlung

      Linie 8 im 15-Minuten-Takt mit 7 Kursen als Verteiler- und Zubringerlinie. Die bisherige Linie 8 wird eingestellt und die Linie 12 über die Siezenheimstraße bis Europark geführt und elektrifiziert (Umbenennung in Linie 8).: Josefiau – Volksgarten – Schallmoos – Kiesel – Landeskrankenhaus – Aiglhof – Taxham – Europark. Kein Betrieb an Sonn- und Feiertagen.

      Linie 10 im 15-Minuten-Takt mit 7 Kursen: Mayrwies – Langwied – Volksgarten – Zentrum – Maxglan – Kugelhof – Flughafen – Outletcenter (– Walserfeld). Nur im Frühverkehr mit einzelnden Verbindungen und Samstag Vormittag bis Walserfeld.

      Die Linie 14 (nur im Frühverkehr an Schultagen) wird eingestellt und durch Verstärkungsfahrten ersetzt.
      Images
      • Obus-Netz 75.png

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      • Obus-Netz aktuell.png

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      Sebastian Krackowizer

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      Vorteile für die Fahrgäste (werktags Montag bis Freitag)

      • möglichst dichter Takt, auch vor 06:30 Uhr, dann 10-Min.-Takt bis 19 Uhr (Linie 8 neu und 10 im 15-Min.-Takt)

      • alle Busse, die im Einsatz sind, werden im Fahrplan aufgenommen, dadurch Angebotserweiterung im Früh- und Abendverkehr entlang der Alpenstraße in/aus alle(n) Stadtteile(n)

      • Anpassung der Linienführungen an die veränderten Fahrgastströme der letzten Jahre

      • Im Zentrum und am Hauptbahnhof werden die Abfahrtszeiten aller Linien so gelegt, dass ca. alle 2 Minuten ein Obus verkehrt; auf feste Anschlüsse wird untertags wegen allfälliger Verspätungen verzichtetet. Es kommt somit immer irgendein Obus zur Weiterfahrt und der Obus-Stau am Hauptbahnhof sollte sich lösen.

      • Das Liniensystem nutzt das ganze Oberleitungsnetz zur Schaffung von Linien mit starken und schwachen Ästen, die durch den Individualverkehr mehr oder weniger in der Pünktlichkeit beeinträchtigt sein können. Dadurch lassen sich Stauzonen besser umfahren und Verspätungen ausgleichen.

      • Die Linie 1 tauscht mit der Linie 6 die Endstationen Messe bzw. Itzling-West. Dadurch wird Itzling komplett umsteigefrei an alle Zentrumshaltestellen angeschlossen und die verspätungsanfällige Linie 1 hat in Itzling etwas mehr Ruhe vor dem starken Individualverkehr, die Pünktlichkeit wird steigen! Außerdem hat der Obus der Linie 1 längere Aufenthaltszeiten beim Europark und in Klessheim, um hier pünktlicher zu sein.

      • Die Linie 3 verkehrt ganztags im 7,5-Minuten-Takt, auch samstags! Die aktuelle Linie 8 in der Alpenstraße wird dann nicht mehr benötigt, dafür fährt die Linie 5 direkt ab Zentrum über Mülln zur Bessarabierstraße bzw. Messe. Somit wird der P+R-Parkplatz „schneller“ ans Zentrum angeschlossen. Außerdem wird der 3er zwischen 06:55 und 07:40 Uhr ab Hauptbahnhof auf einen 4-Minuten-Takt für die HTL-Schüler verdichtet. Expresskurse halten dann nur an der HLT, um dem erhöhten Fahrgastaufkommen gerecht zu werden. Die Verstärkerbusse werden anschließend auf andere Linien geschickt, um dort die Pünktlichkeit zu steigern.

      • Linie 4 tauscht im Nordosten die Endstation mit der Linie 10 und fährt alle 10 Minuten zur Lankessiedlung. Die Linie 10 verkehrt dafür ganztags alle 15 Minuten nach Mayrwies. Der Parallelverkehr der bisherigen Linie 4 mit vier Postbuslinien bis Mirabellplatz wird somit aufgebrochen. Den Fahrgästen aus Mayrwies steht ein einheitlicher und gut merkbarer 15-Min.-Takt zur Verfügung (bisher je nach Tageszeit mal 10- bzw. 20 Min.-Takt). Die Postbuslinien ergänzen das Angebot zum Zentrum ausreichend und die Linie 10 braucht unmerklich länger bis zum Hanuschplatz über Volksgarten. Zwischen Turnerstraße und Esshaverstraße verkehrt die Linie 4 wie bisher durchs Neutor und den Aiglhof.

      • Im Nordwesten tauscht die Linie 4 außerdem die Endstation Forellenwegsiedlung mit der Linie 7 und fährt ab der Esshaverstraße über Neue Mitte Lehen bis zum Salzachsee. Die ggf. entstandenen Verspätungen in der Rudolf-Biebl-Straße können in Lehen gut aufgeholt werden; falls nicht stehen am Ende der Fahrt 11 Minuten Planaufenthalt als Puffer zur Verfügung. Die Linie 7 hingegen wird aus Aigen kommend über Mülln und die Strubergasse (bisher Strecke der Linie 8 nach Liefering geführt. Hier fungiert die relativ junge Oberleitung in der Strubergasse als Umfahrung des tagtäglichen Staus. In der Forellenwegsiedlung hat der Obus 12 Minuten Wendezeit. Damit können nochmals Verspätungen ausgeglichen werden.

      • Die Linie 5 darf nicht mehr zum Bahnhof. Dieser muss entlastet werden, dafür fährt die Linie 3 schließlich öfters. Der 5er fährt direkt über Mülln zur Messe, abends nur noch bis zur Schule Lehen statt bisher Rathaus. Dadurch fällt es Umsteigern im Zentrum leichter Anschlüsse zu erreichen.

      • Die Linie 7 wird mit der Linie 3 im Frühverkehr gekoppelt. Bis ca. 07:45 Uhr geht es dann umsteigefrei von der Alpenstraße nach Aigen und umgekehrt. Ein Umsteigen in Salzburg Süd ist dann nicht mehr nötig. Dieses Komfortangebot wird am Wochenende ganztags umgesetzt. Ohne Umsteigen von der Shopping Arena nach Aigen und retour. Dadurch werden Verspätungen unbedeutend für den bislang umsteigenden Fahrgast.

      • Die Linie 10 fährt nur noch in der Früh und Samstag im Frühverkehr nach Walserfeld und wendet sonst immer am Outletcenter. Die Anschlusssituation und das Fahrgastaufkommen sprechen hier eindeutig für diese „Verschlechterung“.

      • Die Linie 12 wird in Linie 8 umbenannt und ganztags im 15-Min.-Takt betrieben. Diese Linie dient als Zubringer- und Verteilerlinie der tangierten Linien, um die Fahrgäste besser auf das gesamte Linienangebot zu verteilen. Es entstehen schnellere Verbindungen als mit den anderen Hauptlinien durch die direktere Linienführung zwischen wichtigen Haltestellen. Aus Schallmoos kommend wird sich der 12er als echte Alternative zur Fahrt zum Bahnhof (Fußweg ab Kiesel) oder nach Lehen behaupten! Außerdem wird die Linie ab der Gaswerkgasse über das Landeskrankenhaus und die Lindhofstraße – am Stau der Ignaz-Harrer- und Rudolf-Biebl-Straße vorbei – zum Aiglhof geführt. Sollte die Elektrifizierung der Siezenheimerstraße bis zum Martin-Luther-Platz kommen, übernimmt der 12er auch diesen Streckenabschnitt der derzeitigen Linie 20 zum Europark, bis dahin muss er die Klessheimer Allee mit dem 1er und 28er teilen.

      • Es werden Spätverbindungen auch nach 23 Uhr auf fast allen Linien angeboten.

      Ausweitung des Nachtsternangebots (Nächte auf Samstag und an Sonn- und Feiertagen vor Feiertagen) sogar bis nach 2 Uhr früh! Bildung eines Nachtsternrings Zentrum – Maxglan – Hauptbahnhof – Zentrum in beiden Fahrtrichtungen im 30-Min.-Takt, um die Umsteigesituation und das Angebot nachts deutlich attraktiver zu machen.

      • Samstags 15-Minuten-Takt auf allen Linien (ausnahmslos) zwischen 9 und 18 Uhr

      20-Min.-Takt am Sonn- und Feiertag auf allen Linien ganztags bereits ab 05:45 Uhr bis Betriebsschluss! (Linie 10 alle 30 Min.; kein Verkehr auf Linie 8 )
      Sebastian Krackowizer

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      Vorteile für das Fahrpersonal

      • durchgehende Bezahlung von Pausen ab einer Dauer von mindestens 90 Minuten pro Dienst
      (z.B.: 1 x 50 und 2 x 60 Min. Pause bei Ganztagsdienst = 110 Min. Pause >> 10 bzw. 20 Min. pauschal bezahlt wie bisher + 20 Min. Extra, da 110-90 = 20)

      • 65 % weniger Dienste mit mehr als 90 Minuten Pause (in Summe)

      • werktags keine Dienste mit mehr als 2 Stunden Pause (in Summe)

      • werktags keine Dienste mit einer Schichtdauer über 12 Stunden

      • weniger Ganztagsdienste

      • mehr Frühdienste

      • längere Ausgleichszeiten an den Endstationen auf fast allen Linien (als Verschnaufpausen und zum Ausgleich von Verspätungen)
      Sebastian Krackowizer

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      Vorteile für die Salzburg AG

      • die Linie 14 entfällt, wie auch die derzeitige Linie 8

      • werktäglich entfallen 5 Obusse, Neuanschaffungen können später erfolgen oder entfallen

      • weniger Personaleinsatz, aber kein Stellenabbau notwendig (Image!)

      • weniger Arbeitsstunden sind zu bezahlen (ca. 120 pro Woche!)

      • durch die bessere Pausenbezahlung steigt die Zufriedenheit beim Personal

      • durch die kürzeren Schichten steigt die Flexibilität der Diensteinteilung bei der Einhaltung der Ruhezeiten

      • durch zufriedenes Personal sinkt der Krankenstand und dadurch auch die Überstunden beim Einspringen für kranke KollegInnen

      • durch das optimierte Netz können mit gezielten Kommunikationsmitteln neue Fahrgäste gewonnen werden

      • Die Einsparungen werktags ermöglichen eine Obusangebotserweiterung am Wochenende (7,5-Min.-Takt am Samstag auf der Linie 3 und ganztags 20-Min.-Takt auf fast allen Linien an Sonn- und Feiertagen)

      • Anzudenken wäre auch eine Gratis-Benutzung der Obuslinien zwischen Mitternacht und 3 Uhr früh, um die StadtsalzburgerInnen zum Umsteigen zu bewegen. Zahlend in die Stadt, Gratis und sorglos nach dem Freizeitvergnügen wieder heim. Dadurch könnte das Fahrpersonal aufs Kassieren verzichten, die Kassa in Sicherheit bringen und ist vor Übergriffen besser geschützt. Die Pünktlichkeit steigt dadurch ebenfalls (Keine Ablenkung durchs Kassieren während der Fahrt). Vorbild: Silvesternacht!
      Sebastian Krackowizer